Die McDonald-Kriterien dienen seit 2001 als internationaler Standard zur MS-Diagnose. Ziel der Kriterien ist es, anhand von bildgebenden Verfahren, klinischen und Laborbefunden eine möglichst frühzeitige und gleichzeitig zuverlässige MS-Diagnose zu ermöglichen. Denn je früher die MS-Diagnose gesichert ist, desto schneller kann die MS-Therapie starten und umso besser sind die Behandlungserfolge.1
Revision der McDonald-Kriterien
Die McDonald-Kriterien werden immer wieder – zuletzt 2017 – aktualisiert, um den aktuellsten Stand der MS-Forschung sowie neue Entwicklungen der Diagnoseverfahren widerzuspieglen.1 Nun wurden die Empfehlungen für die Revision der McDonald-Kriterien 2024 auf dem ECTRIMS-Kongress vorgestellt.2 Durch die vorgeschlagenen Neuerungen gewinnen die Biologie der MS und die MRT-Bildgebung zunehmend an Bedeutung.3
McDonald-Kriterien 2024/2025: wichtige Änderungen im Überblick
Radiologisch Isoliertes Syndrom (RIS) kann schon MS sein
Eine wesentliche Änderung betrifft das radiologisch isolierte Syndrom (RIS): In bestimmten Situationen kann bereits bei einem RIS die Diagnose MS gestellt und somit entsprechend früh behandelt werden.2 Hintergrund ist, dass sich aus einem RIS häufig eine MS entwickelt.3
Sehnerv als neue MS-Region
Der Sehnerv wird als fünfte Region in der räumlichen Dissemination (DIS) anerkannt. Das erleichtert die Diagnose bei Patient:innen mit Optikusneuritis – häufig ein erstes MS-Symptom. Neben dem Nachweis mittels MRT können auch visuell evozierte Potentiale oder die optische Kohärenztomographie herangezogen werden.2
Freie Kappa-Leichtketten (KFLC) als neuer Biomarker
Neben oligoklonalen Banden gelten jetzt auch freie Kappa-Leichtketten (KFLC) als gleichwertiger Nachweis chronischer Entzündungen im ZNS. Durch die Messung von KFLC könnte ein Biomarker etabliert werden, der leichter zu messen ist und weniger Bewertungsspielraum hat.
Einheitliche Kriterien für RMS und PPMS
Erstmals gibt es einen gemeinsamen Diagnosealgorithmus für schubförmige und primär progrediente MS.
Neue MS-typische MRT-Befunde
Bestimmte typische MRT-Befunde („Central vein sign“ und „Paramagnetic rim lesion“) ergänzen die Diagnosekriterien. Wenn diese Zeichen im MRT nachgewiesen werden, kann die Diagnose MS auch gestellt werden, ohne dass strengere Anforderungen zum Nachweis der räumlichen und zeitlichen Ausbreitung erfüllt sein müssen.
Darüber hinaus wurden weitere Änderungen vorgeschlagen hinsichtlich der zeitlichen Dissemination (DIT) sowie zur MS-Diagnose bei Kindern und Menschen über 50 Jahren und/oder mit bestimmten Begleiterkrankungen. Bislang (Stand Juli 2025) wurden die neuen McDonald-Diagnosekriterien noch nicht publiziert.
Die Neuerungen der McDonald-Kriterien könnten künftig eine noch frühere und differenziertere MS-Diagnose ermöglichen – und damit einen wichtigen Beitrag zu einem frühzeitigen Therapiebeginn leisten.
M-DE-00027116
Quellen
- https://ectrims.eu/mcdonald-diagnostic-criteria
- Montalban X. ECTRIMS Congress 2024.
- Hemmer B et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen, S2k-Leitlinie, 2024, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie.